Ordentlich - getäuscht

Früher glaubte ich, Gartenbesitzer ließen sich in zwei Gruppen unterscheiden: Solche, die es gern ein wenig durcheinander mögen und solche, für die Ordnung wichtig ist. Erstere sprachen davon, dass Ihr Garten „natürlich“ sein solle, letztere legten Wert darauf, möglichst um jede Pflanze herum mit dem Grubber den Boden bearbeiten zu können. Erstere legten Wert auf Harmonie, letztere auf Überschaubarkeit.

Nun gibt es zweifellos die Möglichkeit Gärten in allen Abstufungen von „Naturparadies“ bis „möblierte Garten-Lounge“ zu gestalten. Doch egal welchen Stil Sie bevorzugen: Ordnung und Harmonie sind keine Gegensätze in der  Gestaltung sondern Grundsätze, unabhängig vom Stil des Gartens.

Orientierung zu behalten ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Um sich zu orientieren, scannt das Auge die Umgebung nach Strukturen ab: Umrisse von Pflanzengruppen oder Bäumen, Linien von Wegen oder Begrenzungen von Flächen. Wenn sich für unser Auge eine klare Struktur erkennen lässt, entsteht Orientierung – Ruhe breitet sich aus. Lassen sich hingegen verschiedene Elemente unserer Umgebung nicht klar gliedern, wird unser Auge fortwährend weiter nach Orientierung suchen, es entsteht Unruhe.

Gerade in naturnah oder landschaftlich angelegten Gärten halte ich es für entscheidend, durch geschickte Bepflanzung und Flächenaufteilung Struktur und Ordnung herzustellen und zu bewahren. Dabei dürfen Pflanzen ruhig ineinander wachsen, solange eine übergeordnete Struktur erkennbar bleibt. Um dies zu erreichen, empfehle ich Pflanzung in Gruppen, mit wechselnden Blattfarben- und -texturen. Auch die Verwendung einzelnstehender raumbildender Gehölze schafft Gliederung und Rhythmus.

Formale oder stark architektonische Gärten hingegen können langweilig, gar spießig wirken, wenn Pflanzen fein säuberlich nebeneinander gereiht die Rabatten bevölkern. Bepflanzung soll die Architektur betonen und eine harmonische Verbindung mit ihr eingehen. Meine Empfehlung ist, sich hier auf wenige, ausdrucksstarke Arten zu beschränken. Aber auch diese sollen durchaus Gruppen und Flächen bilden. Unbedeckter Boden ist also nicht notwendig, um dem Verlangen nach Ordnung und Struktur gerecht zu werden.

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