Sie wünschen...?

Moin, was kann ich für Sie tun? Eine Terrasse? Schön groß ok. Kein Problem. Einen Gartenteich? Ah…, Schwimmteich. Zum Schwimmen, klar. Mit Bachlauf, ja. Wo soll der hin? Und einen Platz zum Toben für den Hund. Hab ich notiert…. Meinen Sie nicht, das wird ein wenig eng?... Ach so – Sie haben sich das immer so schön vorgestellt. Naja dann… Ich tu mein Bestes. Es soll den ganzen Sommer blühen? Ja, kein Problem, kommt auf die Pflanzenauswahl an. Nicht so bunt? Und nur immergrüne Pflanzen. OK, puh.. Ja, pflegeleicht ist selbstverständlich – das wollen Sie alle, haha… Sichtschutz zum Nachbarhaus? Ja, da könnten wir einen kleinen Baum pflanzen. Ach so, Sie wollen keinen Schatten, dann also kein Baum. Ach mit dem Nachbarn können Sie nicht so… Ja, kann ich verstehen, kommt immer mal wieder vor. Nee, klar liegt das nicht an Ihnen… Ehrlich? Na, das ist ja´n Ding…. Frechheit. Leute gibt´s… Das auch noch?... Ja,…ja,…ja… Also Sichtschutz muss sein,… und Sonne. Gut, also wir könnten versuchen, das Grundstück zu drehen… kleiner Scherz, haha. Nicht lustig?  Entschuldigung. Also ich denk drüber nach…

Ein Bild? Ja, zeigen Sie mal. Aus dem Urlaub? Schön! Ja, wer möchte das nicht? Also einen mediterranen Garten? Mit Palmen? Naja, mit den Palmen ist das so eine Sache… Ein harter Winter und die sind weg… Na tot halt, erfroren. Also eigentlich ist es die Feuchtigkeit in unseren Wintern, die Ihnen den Rest gibt. Gewährleistung? Ja grundsätzlich schon, aber nicht auf Palmen! Diese Figur soll einen besonderen Platz bekommen? Ich lass mir was einfallen. Finden Sie die schön?!? Ach, ein Geschenk Ihrer Mutter, pardon.

Aus welchem Material soll denn Die Terrasse sein? Holz? Ja, schön. Nein, grundsätzlich kein Problem. Ich empfehle Ihnen aber hochwertiges Holz. Und der Bau ist etwas aufwändig… Ja also ungefähr dreimal so teuer, wie eine gepflasterte Terrasse. Ach so, die Kosten müssen im Rahmen bleiben. Sie haben schon beim Haus so viel draufbezahlt? Nee, versteh ich. Ja, müssen wir halt mal sehen, was geht. Sonst noch was? Feuerstelle…, Hochbeet…, Gemüsegarten…, Whirlpool…, Moment nicht so schnell…, Kirschbaum, Komposthaufen, Kaskadenbrunnen, Saunahütte…, das war´s? Ja, hab ich alles. Gut dann komme ich in drei Wochen mit dem Gartenplan. Ach, da wollten Sie schon fertig sein? Mal sehen. Ich konzentriere mich auf das Wesentliche, wenn Sie erlauben… Feierabend? Nein, noch zwei Kundentermine. Ja, die Jahreszeit eben… Schöner Beruf? Klar. Was mir dabei am besten gefällt? Immer wieder unmögliche Vorstellungen in einen möglichen Garten zu verwandeln! Bis bald!

Ordentlich - getäuscht

Früher glaubte ich, Gartenbesitzer ließen sich in zwei Gruppen unterscheiden: Solche, die es gern ein wenig durcheinander mögen und solche, für die Ordnung wichtig ist. Erstere sprachen davon, dass Ihr Garten „natürlich“ sein solle, letztere legten Wert darauf, möglichst um jede Pflanze herum mit dem Grubber den Boden bearbeiten zu können. Erstere legten Wert auf Harmonie, letztere auf Überschaubarkeit.

Nun gibt es zweifellos die Möglichkeit Gärten in allen Abstufungen von „Naturparadies“ bis „möblierte Garten-Lounge“ zu gestalten. Doch egal welchen Stil Sie bevorzugen: Ordnung und Harmonie sind keine Gegensätze in der  Gestaltung sondern Grundsätze, unabhängig vom Stil des Gartens.

Orientierung zu behalten ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Um sich zu orientieren, scannt das Auge die Umgebung nach Strukturen ab: Umrisse von Pflanzengruppen oder Bäumen, Linien von Wegen oder Begrenzungen von Flächen. Wenn sich für unser Auge eine klare Struktur erkennen lässt, entsteht Orientierung – Ruhe breitet sich aus. Lassen sich hingegen verschiedene Elemente unserer Umgebung nicht klar gliedern, wird unser Auge fortwährend weiter nach Orientierung suchen, es entsteht Unruhe.

Gerade in naturnah oder landschaftlich angelegten Gärten halte ich es für entscheidend, durch geschickte Bepflanzung und Flächenaufteilung Struktur und Ordnung herzustellen und zu bewahren. Dabei dürfen Pflanzen ruhig ineinander wachsen, solange eine übergeordnete Struktur erkennbar bleibt. Um dies zu erreichen, empfehle ich Pflanzung in Gruppen, mit wechselnden Blattfarben- und -texturen. Auch die Verwendung einzelnstehender raumbildender Gehölze schafft Gliederung und Rhythmus.

Formale oder stark architektonische Gärten hingegen können langweilig, gar spießig wirken, wenn Pflanzen fein säuberlich nebeneinander gereiht die Rabatten bevölkern. Bepflanzung soll die Architektur betonen und eine harmonische Verbindung mit ihr eingehen. Meine Empfehlung ist, sich hier auf wenige, ausdrucksstarke Arten zu beschränken. Aber auch diese sollen durchaus Gruppen und Flächen bilden. Unbedeckter Boden ist also nicht notwendig, um dem Verlangen nach Ordnung und Struktur gerecht zu werden.

Umdenken lassen

Wie sehr ich mich auf den Frühling freue! Sie auch? Nach dieser langen Winterzeit, so sehr ich sie genossen habe, fühle ich voller Ungeduld und Vorfreude die Kraft der Natur. Sie wird schon bald in atemberaubendem Tempo alles wieder leuchtend Grün und bunt erstrahlen lassen!

Das ist eine gute Zeit um sich von dieser Kraft anstecken und mitreißen zu lassen und im eigenen Garten neue Projekte in Werk zu setzen. Schere und Spaten warten geputzt und geölt im Schuppen… aber wo beginnen? Es gibt Situationen, mit denen Sie schon lange unzufrieden sind, aber irgendwie hängt alles zusammen…. Der Garten hat sich ja über Jahre, manchmal Jahrzehnte entwickelt. Also: Wo beginnen?

Es ist eine Art „Betriebsblindheit“, die den Anfang so schwer erscheinen lässt. Und natürlich gehört auch viel Erfahrung und Gespür dazu, einen gewachsenen Garten behutsam weiterzuentwickeln. Das ist der Job des Gartenplaners: Für mich bedeutet das: Herausfinden, was meine Kunden sich wünschen und diese Wünsche dann mit Sachkenntnis und Erfahrung in Übereinstimmung bringen mit ihrem Garten. Dabei eröffne ich neue Blickwinkel und schöpfe das Potential, welches im Garten schon enthalten ist, mit unkonventionellen Ideen voll aus.  Das schönste Lob ist für mich, wenn ich dann meine Kunden mit freudig überraschten Gesichtern sagen höre: „Da wären wir selbst nie drauf gekommen!“ Manche sagen auch: „Das hatte ich ja nun überhaupt nicht erwartet…“ und dann weiß ich: ich habe alles richtig gemacht.

Und wenn Sie gefragt werden, wo Sie denn diese Ideen ausgegraben haben, sagen Sie einfach: „Wir haben umdenken lassen…“ Ich wünsche Ihnen einen lustvollen Start in den Frühling, Ihr

Bernd Hestermeyer

Stressfrei gärtnern

Ein Garten darf kein Streßfaktor werden - Fragen und Antworten

 

Frage: Herr Hestermeyer, ist der Traum vom „pflegeleichten“ Garten realisierbar?

Bernd Hestermeyer: Ja! Und es ist noch nicht einmal besonders schwer, wenn man den Hebel an der richtigen Stelle ansetzt. Ein Garten sollte kein zusätzlicher Streßfaktor sein, sondern zur Entspannung beitragen.

Frage: Was ist also Ihr erster Rat, zur Gestaltung eines pflegeleichten Gartens?

Bernd Hestermeyer: Mehrere wichtige Faktoren spielen eine Rolle. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Pflanzen gesund gedeihen, damit Unkraut keine Chance hat. Dazu sind eine gute Bodenvorbereitung, Düngung und gezielte Bewässerung der Pflanzen notwendig. Auch die richtige Auswahl bewährter, standortgerechter Pflanzensorten ist wichtig.

Frage: Was ist mit Wurzelunkräutern wie Ackerwinde oder Giersch?

Bernd Hestermeyer: Wenn der Garten wirklich Spaß machen soll, müssen die Wurzelunkräuter raus. Es ist ermüdend und frustrierend, ständig dagegen anzukämpfen. Aber es gibt Möglichkeiten, die lästigen Gesellen loszuwerden, ich helfe Ihnen gerne.

Frage: Kann ich Arbeit sparen, in dem ich Beetflächen reduziere und den Rasen vergrößere?

Bernd Hestermeyer: In kleinen Gärten ganz bestimmt nicht! Hier sparen Sie die meiste Arbeit, wenn sie den Rasen abschaffen und den Garten mit grünen Teppichen aus abwechselnden Stauden bepflanzen. In sehr großen Gärten könnte die Rechnung aufgehen. Aber auch hier sind bunte Großflächen-Pflanzungen aus Hochstauden machbar, die wesentlich weniger Pflege verursachen, als ein Rasen. Sie werden nämlich dann nur einmal im Jahr „gemäht“.

Frage: Gibt es noch weitere Tipps, damit der Garten stressfrei wird?

Bernd Hestermeyer: Entscheidend ist, vom ersten Schritt an den Garten konsequent pflegeleicht auszurichten. Da müssen schon bei der Planung verschiedene Dinge berücksichtigt werden, z.B. die Form des Rasens, damit ein Roboter ihn mähen kann. Oder die Verlegung von Rohren für ein Bewässerungssystem. Darüberhinaus soll der Garten ja nicht nur pflegeleicht, sondern auch schön gestaltet sein. Beide Ansprüche können wir mit einer professionellen Planung erfüllen.

Frage: Und dann bleibt Ende gar keine Arbeit mehr zu tun…?

Bernd Hestermeyer: Das wäre doch schade oder? Ein Garten sollte regelmäßig auf Vordermann gehalten werden. In einem pflegeleichten Garten verlagert sich die Arbeit aber mehr von der Unkrauthacke auf die Rosenschere. Und vieles kann man im Vorbeigehen erledigen.